Die Kehrseite der digitalen Welt

Die Kehrseite der digitalen Welt
Un smartphone dans les airs avec des éclairs tout autour

Eine Nachricht, ein Video oder nur ein Klick: Jede digitale Handlung braucht Strom. Oft merken wir es nicht, weil dieser Verbrauch unsichtbar bleibt. Wer ihn versteht, kann bewusster handeln, ohne auf die Vorteile der digitalen Welt zu verzichten.

Hinter dem scheinbar immateriellen Internet steckt eine riesige Infrastruktur: Smartphones, Laptops, Router, Funkmasten, Server, Kilometer an Kabeln und grosse Rechenzentren. All das läuft mit Strom, der weltweit noch immer zu einem erheblichen Teil aus fossilen Quellen stammt. Rund ein Drittel der globalen Stromproduktion kommt bis heute aus Kohlekraftwerken.

Nach aktuellen Schätzungen verbraucht der digitale Sektor, also Geräte, Netze und Rechenzentren zusammen, rund 4 bis 6 Prozent des weltweiten Stroms. Die Tendenz ist steigend: Streaming, vernetzte Geräte und vor allem künstliche Intelligenz treiben den Verbrauch weiter nach oben.

Der grösste Umwelteffekt entsteht allerdings nicht beim Nutzen der Geräte, sondern schon bei ihrer Herstellung. Bei einem Smartphone fallen rund 80 Prozent des CO2-Fussabdrucks auf Produktion und Rohstoffgewinnung, bevor das Gerät überhaupt eingeschaltet wird. 

Tipps
  • Geräte lange nutzen: Ein Smartphone ein bis zwei Jahre länger zu behalten, spart mehr Umweltbelastung als jede Einstellung während der Nutzung. Reparieren und refurbished kaufen helfen zusätzlich.
  • Ausschalten statt Standby: Computer, Fernseher, Router und Konsolen ziehen auch im Ruhezustand Strom.
  • Audio statt Video, wenn das Bild nicht nötig ist: Musik, Podcasts oder Lerninhalte funktionieren oft auch ohne Bild.
  • Bewusst konsumieren: Nicht jede Unterhaltung muss sofort und in höchster Auflösung laufen, gerade auf kleinen Bildschirmen bringt eine tiefere Auflösung kaum sichtbaren Unterschied.
  • Bei schwachem Empfang WLAN nutzen: Mobilfunk verbraucht pro übertragene Datenmenge in der Regel mehr Energie als WLAN, besonders wenn das Signal schlecht ist.
Schon gewusst?

Rund 80 Prozent des CO2-Fussabdrucks eines Smartphones entstehen schon vor dem ersten Einschalten, bei Rohstoffabbau, Produktion und Transport. Ein Gerät möglichst lange zu nutzen, ist darum die umweltfreundlichste Entscheidung.

Zu beachten
  • Der grösste Hebel ist die Lebensdauer der Geräte, nicht das einzelne Streaming. Ein neues Gerät zu kaufen belastet die Umwelt weit stärker als jahrelanges Nutzen des alten.
  • Dauerhaft am Strom hängende Tablets, rund um die Uhr eingeschaltete Router und ungenutzte, aber angeschlossene Geräte verbrauchen im Hintergrund Energie.
  • Videos in hoher Auflösung auf grossen Bildschirmen gehören zu den energieintensiveren Anwendungen, vor allem wegen des Geräts, weniger wegen der Übertragung.
  • KI-Anwendungen benötigen viel Rechen- und Kühlleistung. Einzeln fällt eine Anfrage kaum ins Gewicht, in der Masse summiert sich der Verbrauch.
Schon gewusst?

Dasselbe Video verursacht auf einem grossen Fernseher ein Vielfaches des Stromverbrauchs, den es auf dem Smartphone benötigt.

FAQ
Warum ist es wichtig, mit jungen Menschen über den Energieverbrauch im Netz zu sprechen?

Weil es greifbar macht, dass die digitale Welt nicht immateriell ist. Hinter jedem Klick steckt eine Infrastruktur, die Strom braucht. Das Thema ist ein guter Einstieg, um über Nachhaltigkeit zu sprechen und bewusstere Gewohnheiten zu entwickeln.

Was ist die wirksamste Massnahme?

Die Geräte möglichst lange zu nutzen. Da der grösste Teil der Umweltbelastung bei der Herstellung entsteht, spart ein längerer Gebrauch mehr als jede Sparmassnahme während der Nutzung. Reparieren, schützen oder refurbished kaufen wirkt in dieselbe Richtung.

Sollten hochauflösende Inhalte vermieden werden?

Nein. HD oder 4K haben ihre Berechtigung, etwa bei Filmen, Dokumentationen oder kreativen Projekten. Für viele Videos reicht die Standardauflösung aber völlig, besonders auf kleinen Bildschirmen. Es geht also um bewussten Konsum, nicht um Verzicht.

Verbrauchen Geräte im Standby tatsächlich Strom?

Ja. Auch wenn sie scheinbar «aus» sind, ziehen Router, Computer, Fernseher, Drucker oder Spielkonsolen weiter Strom. Nicht benötigte Geräte ganz auszuschalten, ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Spartrick.